Sektorübersicht Finnland: Onshore-Wind
Finnlands Weg in die Onshore-Windenergie ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. In weniger als einem Jahrzehnt hat sich die Windkraft von einer Nischentechnologie zur wettbewerbsfähigsten Form der Stromerzeugung und zu einem wichtigen Motor für den grünen Wandel des Landes entwickelt.
Obwohl die Bautätigkeit im Vergleich zu den Rekordjahren 2022 und 2023 – angetrieben durch höhere Investitionsausgaben und niedrigere Strompreise – zurückgegangen ist, verfügt der Sektor weiterhin über erhebliches Wachstumspotenzial. Die Entwicklungspipeline bleibt stark, und es wird erwartet, dass die Aktivität zunimmt, da die Nachfrage auf die Produktion aufschließt. Die Stromnachfrage wird voraussichtlich deutlich steigen, hauptsächlich angetrieben durch groß angelegte Investitionen in Rechenzentren und aufkommende Power-to-X-Projekte wie grünen Wasserstoff und Elektrokraftstoffe.
Der finnische Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Fingrid schätzt, dass die installierte Windkapazität an Land und auf See bis 2030 bis zu 16 GW betragen wird. Während die Westküste und Lappland nach wie vor Hotspots sind, gibt es einen zunehmenden Trend zur Verlagerung ins Landesinnere, einschließlich des östlichen Teils des Landes, wo erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um die Entwicklung von Windparks mit den Erfordernissen der Landesverteidigung zu koordinieren.
Die Projektgrößen variieren erheblich, von einigen wenigen Turbinenprojekten bis hin zu großen Windparks im Bereich von Hunderten von MW. Die einzelnen Turbinen sind vergleichsweise groß, wobei die durchschnittliche Kapazität mehr als 6 MW für operative Projekte und 8 – 10 MW für Projekte in der Entwicklung beträgt.
Ein Geschäftsmodell, das von Energieversorgern häufig verwendet wird, ist das sogenannte „Mankala“-Modell, bei dem Strom zum Selbstkostenpreis an die Eigentümer der Projektgesellschaft geliefert wird. Außerhalb dieser Vereinbarungen werden die Einnahmen in der Regel durch langfristige Stromabnahmeverträge (PPA) mit Unternehmens- und Industrieabnehmern oder Versorgungsunternehmen gesichert. Es wird erwartet, dass der Hochlauf von sauberem Wasserstoff und Power-to-X-Projekten sowie von Rechenzentren in den kommenden Jahren einen ganz neuen Abnehmermarkt schaffen wird.
Das rasche Wachstum variabler Energieproduktion hat neue Dynamiken auf dem Markt gebracht. Phänomene wie Kannibalisierung und negative Preisgestaltung sind in den letzten Jahren häufiger geworden und spiegeln die sich wandelnde Natur von Angebot und Nachfrage wider. Die Strompreise sind in Zeiten hoher Winderzeugung meist am niedrigsten, was Anpassungen für Projekte mit Grundlast-PPAs erfordert hat – früher Standard in den nordischen Ländern. Finnlands Netz bleibt im Allgemeinen stabil, doch unterstreichen die ersten lokalen Einschränkungen die Bedeutung proaktiver Planung und Flexibilität, während sich das System an das Wachstum anpasst.
Die Anpassung der Business Cases an neue Marktrealitäten bringt es mit sich, dass Entwickler ihr Portfolio zunehmend dadurch optimieren, dass sie vielfältige Assets und Einnahmequellen kombinieren. Der Trend geht hin zu Hybridprojekten, die Windenergie mit PV, Energiespeicherung und/oder Wasserstoffproduktion kombinieren. Bemühungen, die Diskrepanz von Produktion und Preisniveau auf System- und Projektebene zu beseitigen, haben fruchtbaren Boden für mit anderen Anlagen kombinierte wie auch für eigenständige Batteriespeichersysteme (BESS) geschaffen. Zukünftig werden Wind und grüner Wasserstoff voraussichtlich parallel wachsen, was einen sich gegenseitig verstärkenden Kreislauf schafft, der die Expansion in beiden Sektoren beschleunigt.